Titeldaten
- Broens, Michael
; Gumprecht, Ivy ; Einmahl, Matthias - Vergabe Navigator
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Heft 1/2026
S.5-6
Zusätzliche Informationen:
Aufsatz
Abstract
Die Verfasser untersuchen anhand einer eigenen empirisch-statistischen Auswertung aktueller Bauvergabedaten des Bildungsbaus Hamburg die wirtschaftlichen Auswirkungen der Wahl der Verfahrensart im Unterschwellenbereich. Hintergrund sind die in vielen Bundesländern angehobenen Wertgrenzen, welche den öffentlichen Auftraggebern größere Spielräume für die Nutzung der beschränkten Ausschreibung eröffnen. Die Verfasser stellen zunächst frühere Untersuchungen des Bundesrechnungshofes und des Landesrechnungshofes Baden-Württemberg dar, bei denen bereits auf Preisnachteile beschränkter Ausschreibungen hingewiesen wurde. Sodann nehmen sie die Daten von 2019 bis 2024 in den Blick und vergleichen öffentliche Ausschreibungen mit beschränkten Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb. Die Auswertung zeigt, dass öffentliche Ausschreibungen im Durchschnitt zu günstigeren Ergebnissen führen. Sie ordnen den festgestellten Preisunterschied statistisch als hochsignifikant ein. Anschließend befassen sie sich mit dem Einwand, dass öffentliche Ausschreibungen häufiger zu weiter entfernt ansässigen Auftragnehmern führen. Sie arbeiten heraus, dass sich durchschnittlich eine höhere Entfernung ergibt, die überwiegende Anzahl der Aufträge jedoch auch bei öffentlicher Ausschreibung in der Region verbleibt. In ihrem abschließenden Fazit zeigen die Verfasser auf, dass erhöhte Wertgrenzen nicht von der Verpflichtung zur wirtschaftlichen und sparsamen Mittelverwendung entbinden. Öffentliche Auftraggeber sollten daher Wettbewerb sowie Transparenz als zentrale Maßstäbe bei der Wahl der Vergabeverfahrensart berücksichtigen.
Robert Thiele, MBA, BMDS, Berlin